An der Wand hängen Ordner, die mit Metallklammern offen gehalten werden. In den Ordnern ist jeweils ein Ausdruck einer dokumentarischen Fotografie abgeheftet, welche Einlagerungstechniken von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen im Forschungsendlager Asse II zeigen. Für dieses Material gilt ein definierter Isolationszeitraum von einer Million Jahre – eine Zeitspanne der notwendigen sicheren Verwahrung, welche die bisherige Existenzdauer der Menschheit übersteigt.
Täglich wird von dem obersten Blatt eines jeden Ordners eine Kopie erstellt und als neues oberstes Blatt abgeheftet. Beim Kopiervorgang verändern sich Bildinformationen und gehen verloren, bis das Bild nicht mehr entzifferbar ist.
Mit der Arbeit versuche ich, eine Zeitlichkeit abzubilden, zu formulieren, die ich nicht erfassen kann und die für mich unvorstellbar bleibt.
2026 double your attention, Landesmusikakademie Niedersachsen, Wolfenbüttel
Historischer Kontext: Die dokumentarischen Aufnahmen (bereitgestellt von
der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH, BGE) zeigen Erprobungen von Einlagerungstechniken im Forschungsendlager Asse II zwischen 1967 und 1978.
Physikalischer
Hintergrund: Radioaktive Strahlung ist für die menschlichen Sinnesorgane nicht wahrnehmbar. Das Erfordernis der langfristigen Isolation basiert auf
den Halbwertszeiten der eingelagerten Isotope.
Theoretischer Diskurs (Atomsemiotik): Das Fachgebiet
(auch Nuklearsemiotik) untersucht das Problem der Langzeitkommunikation. Es befasst sich mit der Frage, wie Informationen und Warnungen über atomare Altlasten über kultur- und
sprachgeschichtliche Epochen hinweg lesbar bleiben, wenn Dokumente und Zivilisationen zerfallen.