In der Arbeit „Einseiter“ löse ich das Dilemma zwischen wissenschaftlicher Komplexität und der gesellschaftlichen Forderung nach radikaler Reduktion. Statt den Text inhaltlich zu kürzen oder wegzulassen, drucke ich alle 30 bis 40 Textseiten deckungsgleich auf ein einziges DIN-A4-Blatt übereinander.
Der gesamte Text ist somit auf einer einzigen Seite abgebildet – materiell vollständig und ungekürzt. Bei diesem Akt der visuellen Überlagerung kollabiert jedoch die Lesbarkeit und blockiert damit die Kommunikation. Die Information ist physisch in Schichten vorhanden, entzieht sich aber der Entzifferung; sie wird fragmentarisch und bleibt als rein visuelle, dichte Struktur zurück.
Als Ausgangsbasis für diese visuelle Kapitulation dienen die Berichte des IPCC (Weltklimarat) – genauer gesagt die 30- bis 40-seitigen Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger (SPMs).
2026 double your attention, Landesmusikakademie Niedersachsen, Wolfenbüttel
2024 IDEE, Kunstverein Braunschweig – Einzelausstellung zum IDEE-Stipendium
Kontext und Verhandlung: Der IPCC (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen der UN) bündelt den weltweiten Forschungsstand. Die Zusammenfassungen für die Politik (SPMs) werden in mehrtägigen Sitzungen von Wissenschaftlerinnen und Regierungsvertretern Zeile für Zeile im Konsens verhandelt (Quelle: Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle).
Datenbasis und Parameter: Die Verdichtung überbrückt die Spanne zwischen den fast 10.000 Seiten des umfassenden Hauptberichts und den 30 bis 40 Seiten des Kurzberichts. Kernparameter bilden die 1,5-Grad- und 2-Grad-Schwellen, deren Überschreitung unumkehrbare physikalische Kipppunkte im Erdsystem prognostiziert (Quelle: Umweltbundesamt / IPCC).
Wissenschaftssoziologie: Das Verharren trotz valider Datenbasis wird in der Forschung als Wissens-Verhaltens-Lücke (Knowledge-Action Gap) oder gesellschaftliche Trägheit beschrieben. Es untersucht, wie die Überforderung durch Komplexität und der Wunsch nach einfachen Antworten zu einer Blockade in der Krisenkommunikation führen (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung / Max-Planck-Institut).